Ostfriesland: Weite, Meer und Ruhe (Teil I)

Ostfriesland

Es ist schon ein paar Monate her, dass wir in Ostfriesland waren, aber weil es einfach eine wunderschöne Woche war, von der wir alle noch immer zehren, möchte ich eine Beitragsreihe darüber verfassen.

Woran denkt man bei Ostfriesland? Als Mitteldeutsche gehen auch bei mir die Klischee-Schubladen auf: Ostfriesentee, Ostfriesenwitze, Reetdächer, Deiche, Otto, die Nordsee, Marschen.

Dabei hat Ostfriesland noch so viel mehr zu bieten und konnte uns ein ganz anderes Lebensgefühl vermitteln, als es für uns üblich und bekannt ist.

Unsere Kriterien für eine Woche Urlaub

Wir verbrachten einen Teil der Ostertage bisher so, dass der Draußenmann und ich uns ein paar Tage in einem Wellnesshotel gönnten. Doch dieses Jahr sollte es anders werden: Sicher ist Ausspannen und kinderfrei haben schön und gut, aber wir wollten unbedingt das Draußenkind in diese kostbare Zeit einbeziehen. Einfach Zeit als Familie verbringen und mal was komplett anderes erleben.

Zugleich sollte der Urlaub bezahlbar und möglichst individuell sein. Wir mögen Familienurlaub im Hotel nicht so sehr, sind schon immer die klassischen Ferienhausurlauber und legen viel Wert auf möglichst unabhängige Tagesgestaltung.

Eine Anreise von mehr als 6 Stunden wollten wir vermeiden. Das Draußenkind ist ein wirklich pflegeleichter Geselle in Fahrzeugen auf Reisen, aber mehr als eine Woche Urlaub war zeitlich einfach nicht drin – deshalb sollte es keine so weite Distanz werden.

Ostfriesland – warum eigentlich nicht?

Nach ein paar Tagen der Recherche entdeckten wir in einem Ferienhausportal ein gemütliches Haus in Woquard, einem kleinen Dorf, das in der Nähe der Touristenhochburg Greetsiel liegt.

Schon die Objektbeschreibung wirkte sehr überzeugend auf uns. Nachdem wir uns über die Region Krummhörn schlau gemacht hatten und bemerkten, dass es dort unzählige Freizeitmöglichkeiten gibt, buchten wir eine Woche Übernachtung in diesem putzigen Ferienhaus.

Ostfriesland also. Dieses Fleckchen Erde im Nordwesten Deutschlands sollte uns überaus positiv überraschen.

Die Anreise: Krankheit, Regen und Landstraßen-Rumeiern

Dabei steht die Anreise unter keinem guten Stern. Wenige Tage vor Urlaubsbeginn hatte ich mir eine wirklich üble Grippe eingefangen. Nachts kann ich nicht schlafen, weil ich stark husten muss. Dazu kommen schlimme Fieberschübe, wie ich sie zuletzt in meiner Kindheit hatte. Mein Kreislauf spielt verrückt.

Glücklicherweise bleiben das Draußenkind und der Draußenpapa gesund.

Ich verbringe ein paar Tage im Bett und fragte mich, ob es das wert sein würde: So schlapp und krank zu verreisen, kann das gut gehen? Bin ich dann nicht eher ein Hemmschuh?

Der Draußenpapa und das Draußenkind überzeugen mich mitzukommen. Ich könnte mich doch ausruhen und die frische Luft würde mir gut tun. Und eigentlich will ich auch unbedingt mit. Ohne meine Familie würde es eine sehr einsame Woche für mich werden. Auch meine Lieben haben sich den Urlaub so vorgestellt, dass wir ihn zusammen verbringen.

Also fahren wir am Ostersamstag los. Ich darf hinten neben dem Draußenkind sitzen und schlafen. Der Draußenpapa fährt die 4,5 Stunden gen Ostfriesland locker und ohne die Notwendigkeit einer Ablösung. Eine ausgiebige Pause machen wir auf halbem Wege, essen Frühstück beim goldenen M und vertreten uns die Beine.

Trotz dickem Kopf, Husten und Schüttelfrost beginne ich mich auf den Urlaub wirklich zu freuen. Ständige Regenschauer begleiten unsere Reise, was mich aber in dem Moment nicht wirklich kümmert. Und das Draußenkind wäre nicht das Draußenkind, wenn es sich davon schocken ließe.

Im Münsterland verpassen wir eine Autobahnabfahrt, was eine gute Stunde Landstraßen-Getucker nach sich zieht, damit wir wieder dahin kommen, wo wir hin müssen. Ich merke davon nicht viel.

Das Draußenkind erfreut sich derweil an einer Musik-CD namens „Die 30 besten Oster- und Frühlingslieder“. Auch der Draußenpapa und ich sollten sie bald auswendig können. 😉

Am frühen Nachmittag kommen wir mit knurrenden Mägen an. Eine Pizzeria in Pewsum ist unser Ziel, wo wir uns stärken. Danach huschen wir noch schnell zum Aldi Nord, um vor den zwei kommenden Feiertagen den Kühlschrank im Ferienhaus zu füllen.

Was für ein Haus!

Als wir ankommen, sind wir entzückt: Das Haus ist in der Realität noch viel schöner als auf den Bildern. Super gemütlich eingerichtet, dabei mit viel Wert auf Individualität, mit einem traumhaften Wintergarten.

Ein schöner kleiner Garten mit einer Schaukel rundet den positiven Eindruck ab.

Ferienhaus Woquard Ferienhaus Woquard

Uns gefällt besonders gut, dass wir wirklich mitten im Dorf wohnen dürfen. Nicht außerhalb, wo ausschließlich Touristenansammlungen oder Hotels sind. Nein, direkt in einem ostfriesischen Dorf zu wohnen, hat etwas Besonderes für uns.

Unser Draußenkind rennt durch den Garten, erkundet das Haus und ist ganz aufgeregt. So schön wäre es hier, ruft es begeistert, und wir müssen ihm zustimmen. Es ist wirklich ein wunderbarer Ort zum Entspannen.

Ferienhaus Woquard Ferienhaus Woquard

Während ich die Koffer auspacke und für Ordnung sorge, geht der Draußenpapa mit dem Kind in den Garten. Das Draußenkind testet die Schaukel und powert sich aus. Ein paar Meter entfernt ist ein Spielplatz. Der Draußenpapa schnappt sich das Draußenkind und stiefelt dorthin. Endlich dringt die Sonne durch die Wolken, es wird warm. Das muss sofort genutzt werden. Gut, dass wir genug Matschklamotten eingepackt haben!

Spielplatz Woquard Spielplatz Woquard

Am Abend unseres Ankunftstages soll ein Osterfeuer in Woquard stattfinden. Der Vermieter hat uns ausdrücklich darauf hingewiesen. Wäre ich nicht so krank, hätten wir wohl einen Abstecher dorthin gemacht.

So beobachten wir beim Abendbrot die vielen Einheimischen, wie sie warm eingepackt zum Platz des Osterfeuers an unserem Ferienhaus vorbei laufen.

Ich mummele mich mit einer Decke auf der Couch ein, während im Kamin ein Feuer brennt und uns wärmt.

Das Draußenkind hat sich den Ankunftstag mit Schaukeln und einem Spielplatz-Abstecher vertrieben. Schon bald schlummert es friedlich im Schlafzimmerchen unter dem Dach.

Woquard Woquard

Der Draußenpapa und ich trinken noch eine Tasse Tee, knabbern Salzstangen und schauen einen Film.

Wir sind müde von dem langen Tag, weshalb wir schon bald zu Bett gehen und uns auf die kommenden Tage in Ostfriesland freuen.

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