Usedom: Seebad-Hopping mit der UBB-Bahn

Seebad-Hopping

Das Draußenkind liebt Zugfahren über alles. Mit der KiTa durfte er in den vergangenen Monaten zwei Ausflüge mit der Bahn erleben, von denen er sehr geschwärmt hatte.

Und auch ich war in meiner Kindheit immer sehr aufgeregt und beglückt, wenn mir eine Fahrt mit dem Zug in Aussicht gestellt wurde.

Worin diese Faszination begründet liegt, kann ich gar nicht so genau sagen. Aber die meisten Kinder, die ich kenne, lieben es mit dem Zug zu fahren.

Der Plan: Seebad-Hopping per UBB

Unsere Ferienunterkunft in Zinnowitz lag nicht weit entfernt vom Bahnhof. Bereits am ersten Abend nahmen wir uns deshalb fest vor, mit dem Draußenkind eine Zugfahrt über die Insel zu unternehmen.

Mit der UBB (Unterwegs mit Bus und Bäderbahn) kann man ganz Usedom abklappern, am (Zwischen-)Ziel seiner Wahl aussteigen und – Tagesticket sei Dank – wieder einsteigen und weiterreisen.

Diese Flexibilität wollten wir gern nutzen, und zwar mit einem Tagesausflug, der uns nach Ahlbeck und Bansin führen sollte.

Wir packten einen großen Rucksack mit Wechselkleidung, Getränken, Handtüchern und Sonnenmilch ein, dann ging es schon los.

Der Fahrplan verriet uns, dass zweimal pro Stunde eine Bahn der UBB in Zinnowitz halten würde.

Nach einem entspannten Frühstück begaben wir uns Richtung Bahnhof und fanden dort prompt eine für uns in Frage kommende Bahn vor.

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Ticket? Gibt’s beim Schaffner!

Nur wo bekommt man Tickets her? Als wir in der kleinen Bahnhofshalle vergeblich nach einem Ticketautomaten oder geöffneten Schalter suchten, sprach uns ein Tourist an und verwies darauf, dass wir die Karten direkt beim Schaffner im Zug bekommen würden.

Mit dieser Information gesegnet, sprangen wir schnell in den Zug, suchten uns Plätze und harrten gespannt der Dinge, die da kommen würden.

Einen Schaffner bekamen wir zunächst nicht zu Gesicht. Das Draußenkind hatte einen Fensterplatz ergattert und stellte viele Fragen rund um Züge und Ziele.

Irgendwann setzte sich der Zug, dessen Endstation im polnischen Swinemünde liegt, in Bewegung.

War das aufregend!

Und wir hatten unglaubliches Glück, was das Wetter betraf: Trockenen Fußes erreichten wir den Bahnhof, doch kaum hatten wir uns hingesetzt, regnete es in Strömen.

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Dabei hatten wir den Schirm und sogar unsere Regenjacken vergessen wollen.

Die freundliche Schaffnerin händigte uns schließlich unsere Tagestickets aus; ein Vorgang, den das Draußenkind gespannt mit großen Augen und vielen Fragen verfolgte.

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Seebad Ahlbeck

Unsere Strecke Zinnowitz – Zempin – Koserow – Kölpinsee – Stubbenfelde – Ückeritz – Neu Pudagla – Schmollensee – Bansin – Heringsdorf Neuhof – Heringsdorf – Ostseetherme Ahlbeck – Ahlbeck klang wie Musik in meinen Ohren.

Nach fast 40 Minuten Fahrzeit erreichten wir unser erstes Ziel, das Seebad Ahlbeck.

Ich war als recht kleines Kind mit meinen Großeltern bereits in Ahlbeck gewesen, damals noch in tiefster DDR-Zeit. Wenn ich meinen dürftigen Erinnerungen trauen kann, wohnten wir damals in einem großen Komplex in Plattenbauweise.

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Muschel-Anekdote

Ganz präzise erinnere ich mich allerdings an die vielen kleinen rosa Muscheln, die ich am Strand von Ahlbeck gesammelt und in unserem Hotelzimmer gebunkert hatte, bis sie fürchterlich zu stinken begonnen hatten.

Meine nichtsahnenden Großeltern waren sehr lange auf der Suche nach der Geruchsquelle gewesen, bis mein Opa irgendwann zufällig auf den kleinen Eimer unter dem Tisch stieß und diesen genauer inspizierte.

Mit dieser kleinen Anekdote im Kopf kam ich also erneut in Ahlbeck an; am gleichen Bahnhof, den ich damals mit meinen Großeltern betreten hatte. Nur war ich diesmal in Begleitung meiner eigenen kleinen Familie.

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Wir fanden schnell den Weg zur Strandpromenade. Ahlbeck ist zwar größer als Zinnowitz, aber die Seebäder sind im Prinzip ähnlich strukturiert und mit vielen Wegweisern ausgestattet.

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Die Bädervillen rechts und links von der Straße verrieten uns bald, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten.

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Während das Draußenkind und der Mann sich schon wieder auf das Meer freuten, holte ich die Spiegelreflexkamera heraus und hielt die Architektur fotografisch fest.

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Noch ein paar Meter, dann konnten wir schon die Ostsee hören. Vor den Dünen allerdings präsentierte sich uns ein sehr ansehnlicher Piratenspielplatz – dieser hatte natürlich Priorität.

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Der Mann und ich belegten eine Parkbank, während das Kind ein beeindruckendes Spielschiff erklomm.

Ab und an leistete es uns Gesellschaft, um einen Schluck Wasser zu trinken, dann war es wieder entschwunden.

Wir ermunterten unseren Sohn zum Weiterspielen. Schließlich hatten wir Urlaub und jede Menge Zeit. Ein solcher Ausflug muss auf allen Etappen ausgekostet werden.

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Nach ungefähr einer Stunde entschlossen wir uns zum Weiterbummeln zwecks Besichtigung der Seebrücke.

Wie auch Heringsdorf verfügt Ahlbeck über eine große Seebrücke, die natürlich viele schöne Fotomotive bietet.

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Obwohl es zunächst bewölkt und ein wenig feucht war, schwitzten wir bald. Dieses Phänomen hatten wir häufig im Ostseeurlaub beobachtet: Graue Wolken und windig, aber trotzdem so warm, dass man kurze Kleidung wählt.

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Auf der Seebrücke

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Ich finde beim Durchschauen der Bilder den Kontrast „strahlendblauer Himmel in Heringsdorf“ zu „Wolken über Ahlbeck“ sehr spannend. Die Seebrücken erhalten allein durch diese verschiedenen Wetterkulissen einen ganz anderen Charakter.

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Auf der Seebrücke Ahlbeck fütterten einige Touristen eine Schar gieriger Möwen. Nahezu handzahm in ihrer Verfressenheit kamen die Vögel ganz nah an die Brücke und ihre Futterspender heran.

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Das Draußenkind amüsierte sich sehr ob dieses Spektakels.

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Am äußersten Punkt der Seebrücke schossen wir die obligatorischen Fotos und liefen dann allmählich wieder zurück zum Strand, wo die ersten Badegäste ihre Handtücher auslegten und sich in die Fluten stürzten.

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Nun waren Eis essen und Shopping angesagt. Das Draußenkind hatte vorm Urlaub ordentlich Geld gespart, was jetzt unter’s Volk musste.

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In einem Spielzeugladen wurde er fündig: Ein Schwan-Kuscheltier sollte es sein. Leider war dieses um ein paar Euro teurer als veranschlagt. Mit hängendem Kopf schlich das Draußenkind aus dem Laden, aber akzeptierend, dass das Geld nun mal nicht reichen würde.

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Ein Mädchen, die uns wohl im Laden beobachtet hatte, rannte hinter uns her und rief uns zu, dass es das gleiche Kuscheltier eine Straße weiter günstiger geben würde.

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Da strahlte das Draußenkind von einem Ohr bis zum anderen!

Wir kauften also den Schwan und ruhten uns danach an einem Springbrunnen aus, der natürlich gleich auf Fußbad-Tauglichkeit getestet wurde.

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Mittagessen!

Irgendwann waren wir hungrig und entdeckten schräg gegenüber ein Lokal, das unter anderem Milchreis auf der Speisekarte führte.

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Das Draußenkind liebt Milchreis über alles. Leider hatte das Lokal geschlossen.

Zum Glück fanden wir direkt an der Strandpromenade ein recht günstiges SB-Restaurant mit einem gewissen MITROPA-Charme, das ebenfalls Milchreis anbot.

Also war nun Mittagspause angesagt; mit Milchreis für das Kind, Currywurst für den Mann und Bratkartoffeln plus Spiegeleiern für mich.

Trotz der eher pragmatischen Ausstattung und Anrichtung der Speisen war das Essen ziemlich lecker.

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Mit vollen Bäuchen marschierten wir wieder zurück, immer die Strandpromenade entlang, die von vielen Ständen und Shops gesäumt ist, um dann erneut am Bahnhof einzutreffen.

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Seebad-Hopping die Zweite: Bansin

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Der Tag war noch jung, das Wetter erheblich besser geworden. Wir blieben bei unserem Plan, in einem weiteren Seebad auszusteigen. Unsere Wahl fiel auf Bansin.

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Ich hatte damit gerechnet, dass der Weg vom Bansiner Bahnhof zum Zentrum kurz und schmerzlos sein würde.

Es stellte sich heraus, dass vor uns ein Marsch von etwa 30 Minuten lag. Uns taten inzwischen ordentlich die Füße weh.

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Bansin ist schön grün, mit dem für die Region typischen Kopfsteinpflaster und hat viel Flair, nur waren wir mittlerweile wirklich kaputt und brauchten dringend eine Pause.

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Zudem war es sehr heiß geworden, obgleich sich am Himmel wieder dunkle Wolken zu einem bedrohlichen Gebilde aufbauten, das förmlich nach Gewitter schrie.

Die perfekte Gelegenheit für ein weiteres Eisessen! Tat das gut, als wir uns auf die Stühle der Eisdiele sinken lassen konnten! Das Draußenkind und der Mann labten sich an einem großen Becher Eis, während ich mich auf ein Glas Latte Macchiato beschränkte. Zwischenzeitlich war der Himmel wieder aufgeklart.

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Etwas motivierter und ausgeruhter setzten wir unseren Weg zur Strandpromenade von Bansin fort. Wieder begegneten wir herrlichen Vertretern der Bäderarchitektur und Souvenirläden.

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Unmittelbar an der Strandpromenade lauschten wir der Musik eines südamerikanischen Duos. Das Draußenkind freute sich sehr über die Panflöten-Klänge, setzte sich auf eine Bank und hörte andächtig zu.

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Inzwischen herrschte wieder strahlender Sonnenschein; in der Sonne war es richtig heiß geworden.

Zurück nach Zinnowitz

Wir waren müde und erschöpft von dem langen Tag, durstig und von den vielen Eindrücken gesättigt.

Es wurde Zeit für den langen Rückweg zum Bansiner Bahnhof. Diesmal ging es bergauf, und das bei beachtlichen Temperaturen.

Meine Füße wiesen von dem langen Tagesmarsch schon Blasen auf, aber um das Draußenkind bei der Stange zu halten, ließ ich mir nichts anmerken und alberte mit Mann und Kind herum.

Als wir mit geschwollenen Füßen und völlig fertig am Bahnhof ankamen, ließen wir uns entkräftet auf eine Geländerstange fallen. Das Draußenkind entdeckte zu seiner großen Freude zwei nette Touristinnen aus Berlin, mit denen er schnell ins Gespräch kam.

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Mit den Berlinerinnen hatten wir eine sehr angenehme Unterhaltung und fuhren zufällig in einem Waggon nach Zinnowitz zurück.

Endlich wieder zurück im Ferienhaus, sprachen wir uns einstimmig gegen einen abendlichen Bummel durch Zinnowitz aus.

Obwohl der Tag recht anstrengend gewesen war (nach unserer Rechnung waren wir ungefähr 8 Kilometer gelaufen), würde ich eine solche Zugreise immer wieder unternehmen.

Ohne Auto nimmt man als Tourist eine ganz andere Perspektive ein, und für Kinder ist es ein großer Spaß.

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