Der eigene Tellerrand

Der eigene Tellerrand

Heute war ich mit dem Draußenkind bei IKEA.

In der Spielecke probiert mein Sohn einige Dinge aus. Er steht gerade an der Kinderküche und sortiert Geschirr ein, als eine junge Familie (Vater, Mutter, Baby von etwa 10 Monaten) hinzukommt.

Das Baby streckt sehnsüchtig die Hände nach der Küche aus und versucht sich aus den Armen seines Vaters freizustrampeln. Der Vater redet beruhigend auf das Kleine ein: „Nein, das geht jetzt nicht, lass sie erstmal da spielen, denn sie war zuerst da.“

Die mit den Haaren

Sie. Das Mädchen. Mein Sohn. Der mit den langen Haaren. So lang sind sie eigentlich nicht, denke ich, aber scheinbar endet bei vielen Menschen, die ein Kind mit nicht-kurzen Haaren sehen, der Tellerrand.

Das Draußenkind reagiert nicht, er ist beschäftigt. Manchmal weist er sofort zurück, dass er ein Mädchen wäre. Heute hat es ihn nicht gekümmert.

Ich kenne das schon, lächele den jungen Vater an und verbessere automatisch: „Er.“

Der Mann grinst verlegen und korrigiert, an sein Baby gewandt: „Lass ihn bitte spielen, er war zuerst da.“

Ich grinse zurück: „Macht nichts.“

Wenig später sehen wir die Familie noch einmal in einem ausgestellten Kinderzimmer.

Das Draußenkind öffnet einen Spieltisch, in dem sich zwei Kästen befinden. Das Baby will wohl auch mal schauen und fasst plötzlich mit seinen Händchen dazwischen.

Ich sehe die heruntersausende Tischplatte, die das Draußenkind doch noch rechtzeitig abfangen kann, und rufe: „Pass auf, die Kleine!“

Der Vater strahlt mich an: „Der Kleine!“

Die mit dem Rosa

Ups. Das Kind trägt ein rosa Shirt und pinkfarbene Socken.

Das Paar und ich beginnen zu lachen.

Das war dann wohl mein Tellerrand.

 

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2 Kommentare auf "Der eigene Tellerrand"

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Sandra
Gast

Sehr schöne und tiefgründige Geschichte! <3

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