Kurpark Bad Salzhausen

Kurpark

Die Sonne steht niedrig, als wir durch einen Weiler in Richtung Kurpark von Bad Salzhausen fahren.

Der Scheibenwischer beseitigt die letzten Morgentautropfen. Aus dem Radio dringt die Wettervorhersage. Bis 28 Grad bei Sonne und blauem Himmel. Der Moderator lacht und mutmaßt, dass wohl noch an Weihnachten Freibadsaison sein könnte, wenn der Spätsommer so bleibt.

Mein Sohn kichert von der Rückbank wegen dieser Meldung. „Dann muss der Weihnachtsmann mit dem Fahrrad kommen, Mama.“

Wir sind auf dem Weg nach Bad Salzhausen und wollen uns den Kurpark anschauen.

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Es ist 9 Uhr morgens. Der goldene Spätsommer verwöhnt uns an diesem freien Tag. Ich gehe nicht arbeiten und die KiTa meines Sohnes hat geschlossen wegen einer Fortbildung der Erzieherinnen.

Also machen wir etwas Besonderes. Etwas nur für uns beide, bei dem wir Zeit zum Reden haben und die Natur genießen können.

Das Draußenkind stellt eine obligatorische Frage: „Wie lange fahren wir noch?“

„Gleich sind wir da, mein Schatz.“ Wir haben die Ortseinfahrt von Bad Salzhausen erreicht. Ich fahre auf der Kurallee, die im Grunde eine gewöhnliche zweispurige Straße ist. Links und rechts ist sie gesäumt von hohen Bäumen, durch die die Sonne scheint.

Nach mehreren Runden über einen Parkplatz finden wir eine sehr enge Parklücke. Ich kurbele, fahre nach vorne und wieder zurück, fluche und schaffe es schließlich, halbwegs gerade darin einzuparken. Die Autotüren sollten sich weit genug zum Aussteigen öffnen lassen. Erleichtert steige ich aus.

Mein Sohn hat sich schon abgeschnallt und steht erwartungsvoll draußen. Ich schließe das Auto ab und orientiere mich. Wir sind noch nie zuvor in Bad Salzhausen gewesen.

Ein kleiner Kurort, ein Ortsteil der Kleinstadt Nidda, ganz auf den Kurbetrieb angelegt, mit hübschen Häusern, Pensionen, einem Edeka-Märktchen, Cafés und Kurkliniken. In meinen Augen in seiner Infrastruktur etwas ungewöhnlich für Hessen, aber sehr hübsch anzusehen im Morgenlicht.

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Das Draußenkind und ich sind allein auf dem Gehweg, als wir zum Kurpark schlendern. Mein Sohn balanciert auf jeder sich bietenden Gelegenheit. Er singt dabei vor sich hin und wirkt mit sich und der Welt zufrieden.

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Hin und wieder erzählt er von seinen Freunden aus dem Kindergarten, von seinen Wünschen und Gedanken.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut er sich mittlerweile verbalisieren kann. 6 Jahre sind kein Pappenstiel; er kommt mir seit einigen Wochen viel reifer und reflektierter vor.

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Wir finden die Abzweigung zum Kurpark und betreten einen märchenhaften Garten. Dieses Gelände ist fast 200 Jahre alt und umfasst 52 Hektar. Der größte Zauber liegt darin, dass wir nahezu allein im Park sind. Drei Gartenbauarbeiter wässern Blumenrabatten, ansonsten sehen wir niemanden.

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„Schön!“, ruft das Draußenkind und läuft los. Der Weg, auf dem wir gehen, führt zu einem Konzerthaus. Romantisch und mit weißen Butzenfenstern lockt es uns. Das Wasser einer Heilquelle kann von den Kurparkbesuchern mittels Wasserhahn gezapft werden.

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Heilende Quellen

Leider haben wir keinen Becher dabei. Ich warne das Draußenkind vor, dass das Wasser salzig schmecken wird, aber sehr gesund wäre. Neugierig probiert mein Sohn, verzieht erst das Gesicht und bekundet dann, dass es tatsächlich nach Gesundheit schmecken würde.

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Er trinkt direkt vom Wasserhahn und grinst mich dabei an. Ich koste auch. Ja, es schmeckt salzig, ein bisschen nach Meerwasser.

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Wir schauen uns die kleine Bühne und die Bankreihen davor an. Hier finden gelegentlich Konzerte am Abend statt. Wahrscheinlich nicht die musikalische Stilrichtung, die wir bevorzugen, aber in wunderschöner Kulisse.

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Das Draußenkind sprintet auf die Bühne und tanzt. Ich lache und mache Fotos davon. Er singt, dreht sich und hüpft: „Ich gebe heute ein Konzert und du guckst zu, Mama! Gibst du mir Applaus?“

Natürlich spende ich reichlich Beifall. Mein Sohn klettert wieder von der Bühne herunter und labt sich nochmals an der Heilquelle.

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Wir entdecken eine Wildschweinskulptur, mit der wir posieren und Fotos machen. Außerdem sehen wir Schmetterlinge und Grashüpfer. Überall gibt es etwas zu entdecken.

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Am Springbrunnen

Ich frage mein Kind, ob wir mal zum Springbrunnen gehen sollen. Seine Augen strahlen, er nickt begeistert, denn er liebt Springbrunnen. Also schlagen wir die vorgeschlagene Richtung ein. Wir passieren große Bäume, an denen Schilder befestigt sind, die die Namen der Baumpaten preisgeben.

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Als die Morgensonne durch die Fontäne scheint, sehen wir traumhafte Lichteffekte. Nur das Plätschern des Brunnens hören wir, und ein paar Vögel. Ansonsten ist es herrlich ruhig. Das Draußenkind betrachtet minutenlang die Fontäne. Er steht ganz still am Rand und scheint fasziniert zu sein.

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Dann dreht er sich um und fragt, ob es noch mehr Heilquellen geben würde. Ich verweise auf die Lithiumquelle, die auf den Parkwegweisern ausgeschildert ist.

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Aber erstmal suchen wir eine Toilette. Das Heilwasser macht sich bemerkbar.

Nach dem Toilettengang folgen wir den Wegweisern zur Lithiumquelle und finden diese in einem kleinen steinernen Pavillon. Hier wirkt der Park verwunschen und einsam. Ein guter Ort für frisch verliebte Pärchen.

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Das Lithiumwasser scheint dem Draußenkind auch zu munden. Ich fotografiere viel, während er schon wieder unter dem Wasserhahn klebt.

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Mein Sohn entdeckt das Gradierwerk schräg gegenüber. Ich erkläre ihm den Sinn der Anlage und er ist neugierig. Also gehen wir zu Gradierwerk. Kühle, feuchte Luft strömt uns entgegen. Das Draußenkind hat einen leichten Schnupfen – gar nicht so verkehrt, die Sache mit der salzigen Luft.

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Wir setzen uns auf eine Bank und atmen tief ein. Nebenbei verspeist das Draußenkind ein Croissant, das wir vorher beim Fast Food-Riesen gekauft hatten.

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Kräutergarten

Nach einer Weile stehen wir wieder auf, denn wir wollen noch den Kräutergarten sehen. Dort wachsen Katzenminze, Lavendel, Oregano, Basilikum, Vogelmiere, Majoran und noch viele andere Kräuter. Eine ganze Schmetterlingsherde flattert um die Pflanzen; wir sehen Käfer und andere Insekten.

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Wir schnuppern an den Kräutern und raten, was wir von uns haben. Das macht dem Draußenkind viel Spaß.

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Ein nostalgisches Fahrrad, das mit Blüten dekoriert wurde, steht als Kunstobjekt neben dem Kräutergarten. Eine sehr hübsche Idee, finden wir, und posieren ein bisschen für Fotos.

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Außerdem schauen wir uns noch das große Mühlrad, das zur Saline gehört, an. Noch immer begegnet uns kaum ein Spaziergänger.

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Erst als wir zum Parkausgang laufen, sehen wir Menschen. Offensichtlich Kurgäste.

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„Wollen wir zum Auto?“, frage ich das Draußenkind. Er schaut sehnsüchtig zurück zum Park und schüttelt dann den Kopf: „Nein, ich möchte noch hier sein, Mama. Es ist so schön hier mit dir.“

 

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2 Kommentare auf "Kurpark Bad Salzhausen"

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Sandra
Gast

Oh, da geht einem das Herz auf! <3

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